Kleinigkeiten, die in Slowenien geändert werden müssen

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Datum: 10. 10. 2021
Kategorija: Blog, Erzieher

Ländliche Umgebung, ästhetisch vollendetes Ambiente, großes Wirtschaftsgebäude, Nischen fürs Gespräch, Sportplatz, Gemüse- und Obstgarten ohne Unkraut. Die ersten Tage meiner kurzen Dienstzeit in St. Peter im Rosental, Kärnten, verbrachte ich im Zeichen der Bewunderung für die Umgebung und dem Kennenlernen neuer Menschen. Schon bald stellte ich fest, dass sich die Schülerheime in Slowenien vom privaten Internat in Österreich so einiges abschauen könnten.
Nachdem ich vorher in Slowenien schon in zwei Schülerheimen arbeitete und auch wohnte, hatte ich nun Gelegenheit die pädagogische Arbeit im Internat der Höheren Lehranstalt in St. Peter kennenzulernen. Jedes Schülerheim hat seine eigene Seele, seinen eigenen Rhythmus und seine eigene Arbeitsweise. Allen jedoch liegt die ganzheitliche Entwicklung des Schülers am Herzen. Obwohl uns nur die Karawanken trennen, so ist die Arbeit mit Jugendlichen im privaten Internat doch anders als in einigen Teilen Sloweniens. Ein Erzieher ist vor allem, salopp gesagt, eine zweite Mutter. Das kann sich jeder erklären, wie er will. Mütter haben eben verschiedene Zugangsweisen zu Erziehungsproblemen. Die „österreichische Mutter“ ist ein bisschen strenger, doch nicht weniger liebevoll, was zum Nachahmen anregt. Konkret gesehen heißt das:
– Die Lichter im Internat werden einige Minuten nach 22 Uhr gelöscht. Ohne Ausnahme.

– Im Speisesaal haben Schüler die Aufgabe ihre Tische selber zu wischen, sie für die nächste Mahlzeit zu decken, sowie Besteck und Geschirr abzutrocknen.

– Aufgabe des Schülers ist es auch das Bad, das eigene Zimmer sowie die gemeinsam gebrauchten Räume zu reinigen.

– Bei den gemeinsamen abendlichen Treffen im ordentlichen, heimeligen und warmen Gemeinschaftsraum, bei dem alle anwesend sind, hört man einander zu, hat Spaß miteinander und gibt einander Ratschläge.

– Weggeworfen wird außerordentlich wenig, fast keine Nahrung, denn die Köchinnen haben immer ein Geheimfach, falls einen der große Hunger überfällt und sie können sehr gut Reste verwerten.
Was die Schüler bei all dem lernen, muss nicht extra erwähnt werden. Tatsache ist jedoch: wenn sie das Internat verlassen, gehen sie vorbereitet in ein selbständiges Leben, was auch das Ziel des Internatslebens ist. Am Nachmittag kommt bei den verschiedenen Interessen auch eine gesunde und ausgeglichene Freizeitgestaltung, die die Selbständigkeit, das Selbstwertgefühl und die Eigenverantwortung stärkt, nicht zu kurz.
Die Tätigkeit in einem österreichischen Internat hat mir, trotz der sehr kurzen Zeit, eine große Weite gegeben. Wenn ich bisher dachte, dass Putzfrauen und Hausmeister im Internat an erster Stelle sind, so habe ich erkannt, dass dem nicht so ist. Die Jugendlichen sind nämlich sehr fähig, nur wir behandeln sie zu oft, als wären sie Kinder. Genauso war es vorher schwer vorstellbar, dass lebhafte Burschen schon etwas nach 22 Uhr in ihren Betten schlafen würden. Das erreicht man, indem man sie ab 21 Uhr auf die Nacht vorbereitet. Natürlich darf man nicht der Illusion verfallen, dass sie in der Nacht nicht doch noch im Internet unterwegs sind. Na ja, wenn das Wifi aber „abgedreht“ wird und wenn die mobilen Daten aufgebraucht sind, dann ist auch hier ein guter Schlaf gesichert. 😊

Allen Mitarbeiterinnen im Internat danke ich für diese Erfahrung! Jeder von euch hat mein Leben bereichert.
Lovrenc Habe, wieder ehemaliger Erzieher

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